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Prävention vektoriell übertragener Infektionen

A. Rose, U. Gordon (geb. Kröckel)

 Dies ist eine gekürzte Fassung des Kapitels “Prävention vektoriell übertragener Infektionen” in dem von Rieke, Küpper und Muth herausgegebenen Buch “Moderne Reisemedizin. Handbuch für Ärzte, Apotheker, Reisende”, 2010 erschienen im Gentner Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-87247-708-8. Eine PDF-Datei des gesamten Beitrages findet sich hier >

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Einführung

[…] [Zusätzlich zu Impfstoffen und Medikamenten ergeben sich] mit Maßnahmen gegen die Überträger weitere Möglichkeiten in der Prophylaxe und Bekämpfung von Erkrankungen. Zwar ist eine Bekämpfung der Vektoren für den Reisenden unmöglich, er kann allerdings durch das Ergreifen verschiedener Methoden den Kontakt zu blutsaugenden Krankheitsüberträgern vermeiden. Man sollte sich bereits vor Antritt der Reise, aber auch vor Ort, über das Auftreten von solchen Krankheiten informieren, um einen bestmöglichen Schutz vor ihren Überträgern gewährleisten zu können.

Die wichtigsten Krankheitsüberträger oder Vektoren

Stechmücken oder Moskitos

Die Stechmücken (Culicidae) stellen sicher die geläufigste Gruppe aus den blutsaugenden Insekten dar. Sie gehören zu den Zweiflüglern und sind mit rund 3000 verschiedenen Arten auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vertreten. […] Besonders bedeutend sind sie […] als Überträger verschiedener Krankheiten, vor allem Malaria, Filariasis und verschiedene Viruserkrankungen wie Dengue, Gelbfieber, Chikungunya oder Encephalitis-Erkrankungen.

[…] Die verschiedenen Stechmückenarten unterscheiden sich neben ihrer Vorliebe für bestimmte Wirte und in ihren bevorzugten Biotopen auch im Zeitpunkt ihrer Aktivität. So stechen zum Beispiel Malariamücken meist spätabends, nachts und in den frühen Morgenstunden, während die wichtigsten Überträger von Dengue, Gelbfieber oder Chikungunya, die Tigermücken Aedes aegypti und Aedes albopictus, morgens und abends, teilweise auch tagsüber auf die Beutesuche gehen. Diese Eigenheiten spielen daher bei der Wahl bevorzugter Abwehrmaßnahmen eine wichtige Rolle; gegen die Übertragung des Denguefiebers, das von tagaktiven Stechmücken übertragen wird, sind Bettnetze beispielsweise wenig wirksam.

Sandmücken

Auch die Sandmücken gehören zu den Zweiflüglern, sind klein, oft nur Millimeter groß, schlank, hochbeinig, ihr Körper und die Flügel sind behaart. Die lanzettförmigen Flügel werden in der Ruhe nach oben über den Körper gehalten. Auffallend sind ihre großen dunklen Augen, während der übrige Körper meistens hell gefärbt ist.

Sandmücken kommen in der Alten Welt vor allem in den südlichen und trockeneren Regionen der gemäßigten Zonen vor, wie zum Beispiel dem Mittelmeergebiet. In der neuen Welt findet man sie besonders in feuchteren, bewaldeten Regionen. […] Die Erwachsenen stechen normalerweise in der Dämmerung und in der Nacht. Sandmücken können unter anderem bestimmte Viruserkrankungen (z.B. das Dreitage- oder Pappatacifieber), in Südamerika das von Bakterien hervorgerufene Oroya-Fieber (auch Carrión-Krankheit) und die verschiedenen Leishmaniosen (Mittelmeergebiet, Naher Osten, Asien, Südamerika) übertragen.

Kriebelmücken

Kriebelmücken (Simuliidae) sind ebenfalls Zweiflügler, nur zwischen ein und fünf Millimeter groß, mit großen Facettenaugen, kurzen Fühlern, einer dunklen Farbe und in der Ruhe flach übereinandergelegten Flügeln. In den gemäßigten und subarktischen Zonen können sie [, vor allem in der Nähe von Gewässern,] in beträchtlicher Zahl auftreten. […] Vor allem sind sie als Überträger der Flussblindheit bedeutend, die von einem Fadenwurm hervorgerufen wird. Flussblindheit tritt in Afrika, Mittel- und Südamerika auf. […]

Tsetsefliegen

Tsetsefliegen (Glossinidae) kommen südlich der Sahara vor und übertragen die Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) auf den Menschen. Die Fliegen sind etwa einen Zentimeter groß und tragen ihr Flügelpaar in Ruhe flach übereinandergelegt. Ihr Stechrüssel zeigt gerade nach vorne. Abhängig von der Art können sie in Savannen und Wäldern vorkommen. In Hochlandregionen über etwa 1300 bis 1800 Metern findet man sie nicht, da sie relativ kälteempfindlich sind. Die Tiere sind meistens morgens und abends aktiv. […]

Chagaswanzen (Barbeiros, Vinchucas)

Die Chagaswanzen (Triatominae) kommen fast ausschließlich in der Neuen Welt vor, wo sie die Chagaskrankeit oder Amerikanische Typanosomiasis übertragen. Einige Arten dieser Raubwanzen finden sich besonders oft in Hütten, Ställen und Höfen, wo sie die Tage versteckt in Wandrissen, mit pflanzlichem Material gedeckten Dächern und ähnlichen Orten verbringen. Chagaswanzen werden 1,5 bis 2 Zentimeter groß. Ihre Jugendstadien ähneln den erwachsenen Tieren. Alle Stadien und beide Geschlechter saugen nachts von schlafenden Menschen und Tieren Blut. Die Übertragung der Chagaskrankheit erfolgt nicht durch den Stich, sondern durch bereits während der Blutmahlzeit abgegebenen Kot, der in den Stich oder in die Schleimhäute des Wirtes gerät.

Zecken

Zecken (Ixodida) gehören zu den Spinnentieren und sind daher keine Insekten. […] Sie können eine Reihe von Krankheiten übertragen, z.B. Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Krim-Kongo-Fieber oder Zecken-Rückfallfieber.

[…] Nachdem sie den Körper ihres Wirtes betreten haben, krabbeln Zecken meist längere Zeit auf ihm herum, auf der Suche nach einem passenden Ort für eine Blutmahlzeit. Man kann sie deshalb häufig noch vor dem Festbeißen entdecken. Dabei sollten auch Orte wie Achselhöhlen, Kniekehlen, Bauchnabel, die Leisten- und Genitalgegend und besonders bei Kindern der Kopf untersucht werden (wegen der geringen Körpergröße von Kindern werden Zecken bei ihnen oft in der Kopfregion abgestreift). Haben Zecken sich bereits festgesetzt, sollte man sie sobald wie möglich entfernen; je länger das Tier seine Blutmahlzeit fortsetzen kann, desto höher wird das Risiko einer Infektion. Für das Entfernen der Zecken eignen sich Pinzetten, oder im Handel erhältliche Zeckenzangen, Zeckenkarten oder -haken. Mit diesen Werkzeugen wird die Zecke möglichst nahe an der Haut ergriffen und entweder mit einer leichten Drehbewegung oder auch gerade abgezogen.

Weitere blutsaugende Gliederfüßer

Gnitzen (Ceratopogonidae) können in großen Mengen auftreten und damit in bestimmten Regionen (Schottland, Skandinavien, Florida, die Karibik) ausgesprochen lästig sein. Als Krankheitsüberträger treten sie aber vor allem bei Tieren und nicht bei Menschen auf. Bremsen (Tabanidae) fügen ihren Wirten schmerzhafte Stiche zu und können vor allem auf mechanischem Wege verschiedene Krankheiten übertragen (d.h. die Bremse wird selbst nicht infiziert). In Äquatorialafrika übertragen bestimmte Bremsen (Chrysops dimidiata) die von einem Fadenwurm hervorgerufene Loa-loa-Krankheit. Der Wadenstecher (Stomoxys) ähnelt der Hausfliege und kommt weltweit vor. Beide Geschlechter können schmerzhaft stechen. Als (mechanische) Überträger von Krankheiten auf den Menschen treten sie nur ausnahmsweise auf.

Flöhe (Siphonaptera) kommen weltweit vor. Eine Reihe von Arten saugen auch beim Menschen Blut. Vereinzelt treten sie auch heute noch als Überträger der Pest auf. Bettwanzen (Cimicidae) finden sich ebenfalls weltweit, treten aber als Krankheitsüberträger wohl nicht in Erscheinung. Die für den Menschen wichtigen Läuse (Phthiraptera) sind Kopf-, Kleider- und Filzläuse. Kleiderläuse können als Überträger von Fleckfieber und Läuse-Rückfallfieber auftreten.

Schutzmaßnahmen zur Stichprävention

Mechanische Schutzmaßnahmen

Kleidung

Die Auswahl der richtigen Kleidung kann einen erheblichen Schutz vor blutsaugenden Gliedertieren bieten. So sind helle Textilien für viele fliegende Blutsauger weniger attraktiv als dunkle oder kontrastreiche. Auch können Zecken auf hellen Kleidungsstücken besser ausgemacht und entfernt werden. Enganliegende Bünde und in die Stiefel oder dichte Strümpfe gesteckte Hosenbeine verzögern gerade bei Zecken den Zugang zur Körperoberfläche. Dichtgewebte Stoffe oder spezielle Membrankleidung können den Stich in darunter liegende Hautpartien verhindern […]. Zusätzlichen Schutz bieten schon vom Produzenten aus mit Repellents oder mit Pyrethroiden ausgerüstete Textilien. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, kann die Kleidung mit handelsüblichen Hautrepellents besprüht werden. Hierbei sollte allerdings an verdeckter Stelle eine Probebehandlung durchgeführt werden.

Bettnetze

Gegen Stechmücken und andere dämmerungs- und nachtaktive Blutsauger sind Bettnetze eine effektive Schutzmaßnahme. Bettnetze sind in verschieden großen Maschenweiten erhältlich – Bettnetze mit weiteren Maschen, die noch vor Stechmücken schützen und luftdurchlässiger sind, lassen aber zum Beispiel die kleinen Sandmücken passieren und bieten damit keinen Schutz vor Leishmaniose.

Zusätzlich können Bettnetze mit Insektiziden ausgerüstet sein, die darauf landende Mücken abschrecken, ausschalten oder töten. Diese ITN’s (Insecticide Treated Nets) genannten Bettnetze haben den Vorteil, dass sie auch noch einen Schutz gewährleisten können, wenn sie beschädigt sind oder der schlafende Mensch mit dem Netz in Kontakt kommt. Als Wirkstoffe werden wie bei entsprechenden Textilien normalerweise Pyrethroide verwendet. Es sind neben bereits fertig ausgerüsteten Bettnetzen auch Imprägnier-Kits erhältlich, mit denen Netze behandelt oder nachbehandelt werden können.

Weitere Schutzmaßnahmen und solche, die unwirksam sind

Geschlossene Türen und Fenster, Schutzgitter und Klimaanlagen können verhindern, dass Krankheitsüberträger ins Innere von Behausungen vordringen. Bei Übernachtungen oder Ruheperioden unter einfachen Umständen kann die Standortauswahl einen erheblichen Einfluss auf die Anzahl von Kontakten zu Blutsaugern haben. Dies gilt besonders bei weniger mobilen Insekten wie Sandmücken, Bettwanzen, Flöhen oder Chagaswanzen.

Insektenlampen, die UV-Licht (‘Schwarzlicht’) abstrahlen und angelockte Insekten mit Stromschlägen oder Klebefolien töten, sind als Schutz gegen Stechmücken praktisch unwirksam.

Weiterhin tauchen immer wieder Geräte auf dem Markt auf, die durch das Aussenden bestimmter hoch- aber auch niederfrequenter Töne Mücken vom Stechen abhalten sollen. […] Bis heute konnte die Wirksamkeit von Tonerzeugungsgeräten weder in Feld- noch in Laborversuchen nachgewiesen werden […].

Chemische Schutzmaßnahmen – Kontaktrepellents

[…]

Empfohlene Wirkstoffe

[…] [Die] in den USA mit der Krankheitsvorsorge befasste CDC (Centers for Disease Control and Prevention) […] [empfiehlt] DEET, Picaridin, PMD und IR3535, da nur Produkte auf Basis dieser vier Wirkstoffe lang genug anhaltende Schutzwirkungen erzielen können.

Anwendung und Einflussfaktoren

Die sorgfältige und flächendeckende Behandlung aller exponierten Hautstellen ist für einen zuverlässigen Schutz obligat, ein regelmäßiges Nachbehandeln ist unerlässlich. Die Schutzdauer hängt aber nicht nur von der sorgfältigen Anwendung, vom verwendeten Wirkstoff, dessen Konzentration und Formulierung ab, sondern auch davon, wie schnell die Wirkstoffe von der Haut abdampfen, abgerieben oder von ihr absorbiert werden. […] Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Effektivität von aufgetragenen Substanzen ebenso wie […] z.B. die individuelle Schweißsekretion oder Absorptionseigenschaften der Haut. Zudem können Stechmücken verschiedener Arten völlig unterschiedliche Wirkstofftoleranzen zeigen: nachtaktive Culex-Hausmücken reagieren erfahrungsgemäß sensibler auf repellierende Wirkstoffe als die ebenfalls nachtaktiven Anopheles-Mücken oder die tagaktive Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Zecken sind weniger anfällig für die Wirkung von Repellents als Stechmücken. Jeder Reisende sollte sich also vorab detailliert über die im Zielland vorherrschenden Vektoren informieren und auf eine adäquate Stichprophylaxe achten.

Synthetische Repellents

N,N-Diethyl-Toluamid

In den 50er Jahren von der US-Armee […] entwickelt, avancierte N,N-Diethyl-Toluamide (DEET) innerhalb kürzester Zeit zum Goldstandard unter den Insektenabwehrstoffen und ist es bis heute geblieben. […] Kommerziell erhältlich sind Formulierungen mit 4 % bis 100 % DEET, ab einer Konzentration von 30 % können Stechmücken je nach artspezifischer Aggressivität zwischen 4 und 7 Stunden erfolgreich abgewehrt werden. In höheren Konzentrationsbereichen stellt sich keine signifikante Verlängerung der Schutzdauer mehr ein, zudem macht sich in Bereichen über 50 % auch ein unangenehmer Nebeneffekt des Wirkstoffs deutlich bemerkbar: die plastikanlösenden Eigenschaften. DEET zeichnet sich dennoch durch ein gutes Sicherheitsprofil aus.

Picaridin

[…] Picaridin [auch: Icaridin, ursprünglich Bayrepel] erzielte in Feldstudien mit DEET vergleichbare Schutzzeiten, hat ebenfalls ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil und wenig aggressive Eigenschaften gegenüber Kunststoffen. Handelsüblich sind Konzentrationsmengen zwischen 10 % und 20 %, Stechmücken der Gattung Aedes wurden in Feldversuchen mit 20 %igen Picaridin Formulierungen zwischen 4 und 6 Stunden erfolgreich abgewehrt. Arten der Mückengattung Anopheles hingegen zeigten mitunter eine hohe Toleranz für 19.2 % Picaridin oder 35 % DEET, für beide Wirkstoffe lag die Schutzwirkung während vergleichender Feldversuche in Australien bei unter einer Stunde. […]

IR3535

[…] IR3535 […] ist ein synthetischer Wirkstoff, der sich von der Aminosäure ß-Alanin ableitet. Er zeichnet sich durch ein sehr gutes Sicherheitsprofil aus, ist im Vergleich zu DEET, Picaridin und auch para-Menthan-3,8-diol aber weniger wirksam und wird bislang für Tropenaufenthalte nicht empfohlen. Neuere Studien mit so genannten „controlled-release” Formulierungen des Wirkstoffs erwiesen sich im Feldversuch mit verschiedenen Culex– und Aedes-Arten jedoch als viel versprechend, Wirkstoffkonzentrationen von 10 % bis 20 % IR3535 schützen hier im Durchschnitt bis zu 7 Stunden vor Stichen.

Natürliche und naturidentische Repellents

Para-Menthan-3,8-diol

[Para-Menthan-3,8-diol (PMD) kommt in den Blättern des Zitroneneukalyptusbaumes vor.] […] Im Gegensatz zu ätherischen Ölen ist PMD schwer flüchtig und damit als repellierender Wirkstoff auf natürlicher Basis besonders vielversprechend. Während einer vergleichenden Studie in Peru schützte eine 16 % PMD Formulierung länger vor Stichen der Anopheles-Mücke als 20 % DEET.

Ätherische Öle

Einer Vielzahl ätherischer Öle, wie z.B. Teebaum-, Neem-, Lavendel-, Nelken-, Knoblauch-, Geranien- und Citronella-Öl wird eine repellierende Wirkung gegen Stechmücken nachgesagt; teilweise konnte eine gewisse Wirksamkeit auch nachgewiesen werden. Im Allgemeinen sind ätherische Öle aber weitaus weniger gut untersucht als die bereits gelisteten synthetischen Wirkstoffe. Am häufigsten verwendet wird Citronella-Öl […] [Die] erforderliche regelmäßige Nachbehandlung in kurzen Zeitabständen macht die Anwendung eines Produktes auf der Basis eines ätherischen Öles aufwendig.

Verdampfer oder Kerzen auf natürlicher Basis

Für die Anwendung im Innenbereich werden elektrische Verdampfergeräte für die Steckdose angeboten, für den Außenbereich finden sich meist Kerzen oder Fackeln auf Basis von Citronella-Öl. Die Schutzwirkung von Citronella-Öl ist bereits bei der Anwendung auf der Haut im Vergleich zu synthetischen Produkten stark herabgesetzt, eine auch nur annähernd ausreichende Raumwirkung von Verdampferprodukten wurde bislang nicht nachgewiesen. Kerzen mit 5 % Citronella-Öl waren im Feldversuch mit Mücken der Gattung Aedes ähnlich effektiv in der Reduzierung der Stichzahl wie gewöhnliche Kerzen ohne Wirkstoff, zum persönlichen Schutz sind sie somit nicht geeignet.

Verdampfer und Räucherspiralen auf Pyrethroidbasis

Synthetisch hergestellte Pyrethroide, wie Permethrin, Allethrin, Transfluthrin oder Metofluthrin, leiten sich ab vom Pyrethrum, das in den Blütenköpfen bestimmter Korbblütler (Chrysanthemen) vorkommt. Pyrethroide sind [für Gliedertiere] neurotoxische Kontaktinsektizide, die in der Gasphase abschreckend wirken. […] Pyrethroide sind meist schwer flüchtig und müssen mit Hilfe von elektrischen Verdampfergeräten oder in Form von Räucherspiralen, Kerzen und Kerosinlampen in die Gasphase überführt werden. Räucherspiralen mit Allethrin oder S-Bioallethrin reduzierten in Laborversuchen die Stichbelastung durch Anopheles-Mücken um bis zu 85 %. Trotz ihrer insektiziden Wirkung und einer erheblichen Fischtoxizität sind Pyrethroide für Säugetiere nur wenig giftig. Eingeatmet können sie allerdings zu Atemwegsreizungen führen, in höheren Konzentrationen wurden vereinzelt Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen beobachtet. Die Anwendung von Pyrethroidverdampfern in der Gegenwart von Schwangeren, Säuglingen oder Kleinkindern sollte vermieden, ihr Einsatz in geschlossenen Räumen auf das notwendigste Maß beschränkt werden.

Weiterführende Literatur

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