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Hausmücken

In menschlicher Umgebung kommen in Mitteleuropa vor allem zwei Stechmückenarten vor: die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) und die Ringelmücke (Culiseta annulata). Beide haben eine sehr ähnliche Lebenweise und sind oft miteinander vergesellschaftet. Die Gemeine Hausmücke ist relativ unscheinbar, bräunlich mit beigen Bändern über den Hinterleib, gleichmäßig grau gefärbten Flügeln und dunklen Beinen.
Die Ringelmücke ist größer und kräftiger, der Hinterleib ist schwarz-grau mit hellen Querbinden gemustert, die Beine sind weiß geringelt. Die Flügel sind mit wenigen undeutlichen dunklen Tupfern gezeichnet.

Ihre Eier legen beide Arten in einige Millimeter langen Paketen ab, die wie kleine Schiffchen aussehen und auf der Wasseroberfläche in Regentonnen, stehengelassenen Gießkannen und Eimern, in verstopften Abflüssen, Gräben, Gartenteichen oder Pfützen schwimmen. Jedes dieser Eipakete fasst bis zu 350 Eier.

Aus den Eiern schlüpfen die Larven. Sie hängen mit einem Schnorchel am Hinterleib an der Wasseroberfläche und atmen Luft, können bei Gefahr aber abtauchen. Wie bei allen Stechmückenarten gibt es vier Larvenstadien, wovon die größte Larve über einen Zentimeter lang werden kann. Auch die Larven von Hausmücken ernähren sich von organischem Material, das sie mithilfe ihrer Mundwerkzeuge aus dem Wasser strudeln.

Egg raft, larva and pupae of house mosquitoes. Composition of details from the illustrations 43 and 44 in Réaumur R.A. (1738) Mémoires pour servir à l'histoire des insectes. Volume 4. Paris.
Eipaket (Eischiffchen), Larve und Puppen von Hausmücken. Zusammenstellung von Details aus den Abbildungen 43 und 44 in Réaumur R.A. (1738) Mémoires pour servir à l’histoire des insectes. Band 4. Paris.

Hausmückenlarven können sogar in Abwässern und anderen stark verschmutzten Gewässern leben. Je nach Nährstoffversorgung werden die Larven und damit die daraus entstehenden Stechmücken größer oder kleiner. Die Temperatur des Wassers hat einen Einfluss auf die Entwicklungsgeschwindigkeit: In warmen Sommern können die Larven zum Beispiel schon in weniger als einer Woche ihre Entwicklung abgeschlossen haben.

Aus dem vierten Larvenstadium schlüpft die sogenannte Puppe, ein an ein Komma erinnerndes Tier, das mit zwei Schnorcheln am Vorderende an der Wasseroberfläche hängt und ebenfalls Luft atmet. In ihrem Inneren verwandelt sich die Larve zum erwachsenen Tier. Die Geschwindigkeit, in der das geschieht, ist ebenfalls temperaturabhängig; normalerweise reichen wenige Tage.

Schon kurz nach ihrem Schlupf entwickeln die weiblichen Stechmücken ihren Hunger auf Blut. Nach einem erfolgreichen Stich werden die Nährstoffe in der Blutmahlzeit in Eier umgesetzt. Nach der Eiablage begibt sich das Weibchen wieder auf die Suche nach einem Wirt. So kann es in seinem Leben mehrere Eipakete ablegen und für immer mehr Nachkommen sorgen. (Um ihren Energiebedarf zu decken, nehmen weibliche wie männliche Stechmücken übrigens süße Pflanzensäfte und Nektar auf. Männchen trinken nie Blut)

Während die Männchen im Herbst sterben, weichen die weiblichen Hausmücken vor der zunehmenden Kälte zunächst unter anderem in menschliche Behausungen aus. Hier können sie dann noch einmal sehr lästig werden. Den Winter überstehen sie an kühlen und feuchten Orten wie Kellern, Lagerräumen oder Ställen. Teilweise ist es auch möglich, dass an ausreichend warmen Orten mit Wasseransammlungen und ausreichenden Blutwirten (Fabrikhallen, U-Bahnen) der Entwicklungszyklus auch den Winter über weiter fortläuft.

The house mosquitoes Culex pipiens and Culiseta annulata, Illustration by Ingeborg Schleip, Biogents