Mückenschreckstoffe oder Repellentien
Geschichtliches
Die Nutzung mückenabwehrender Stoffe ist sehr alt und nicht auf den Menschen beschränkt. Auch Tiere verwenden chemische oder pflanzliche Substanzen zur Abwehr von Ektoparasiten: Kapuzineraffen reiben sich mit Tausendfüßlern ein, deren Sekrete abschreckende Benzochinone enthalten; manche Vogelarten bringen aromatische Pflanzen in ihre Nester ein; beim Schopfalk wurden aldehydhaltige Körpergerüche beschrieben, die gegen blutsaugende Arthropoden wirken können. Beim Menschen gehören Rauch, Pflanzenmaterialien, Öle, Harze, Schlamm und mechanische Barrieren wie Netze zu den ältesten bekannten Schutzmaßnahmen. Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen stammt aus dem antiken Ägypten, wo unter anderem Rizinusöl und einfache Bettnetzformen beschrieben wurden.
Traditionelle Verfahren wie das Verbrennen von Pflanzenmaterial wirken vermutlich weniger durch eine spezifische Repellentwirkung einzelner ätherischer Öle als durch eine Kombination aus Rauch, Reizwirkung und Störung der Wirtsfindung. Stechmücken orientieren sich an CO2, Hautgerüchen, Wärme, Feuchtigkeit und visuellen Reizen. Rauch kann diese Signale überlagern oder irritieren, bietet aber keinen verlässlichen, standardisierten Schutz.
Moderne Hautrepellentien entwickelten sich zunächst aus Mischungen ätherischer Öle wie Citronella oder Kampfer. Diese können kurzfristig abschreckend wirken, haben aber meist eine geringe Schutzdauer, weil viele Bestandteile schnell verdampfen. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren nur wenige chemische Repellentien praktisch relevant, darunter Dimethylphthalat, Indalone und Rutgers 612. Der entscheidende Entwicklungsschub kam durch militärische Screeningprogramme, nachdem vektorübertragene Krankheiten im Zweiten Weltkrieg erhebliche Truppenausfälle verursacht hatten.
Moderne Schreckstoffe
Der bis heute wichtigste Referenzwirkstoff ist DEET – N,N-Diethyl-meta-toluamid. Die häufig genannte Datierung „1953 entdeckt” ist unpräzise: DEET wurde 1946 für militärische Zwecke entwickelt und 1957 für die allgemeine Nutzung registriert. Neben DEET gehören heute auch Picaridin/Icaridin, IR3535, PMD/Citriodiol zu den relevanten hautapplizierten Wirkstoffen. Wichtig ist die begriffliche Trennung: PMD/Citriodiol ist nicht gleichbedeutend mit beliebigem ätherischem Zitroneneukalyptusöl.
Kommerzielle Mückenabwehr
Der Markt umfasst heute sehr unterschiedliche Produktklassen: Hautrepellentien, imprägnierte Kleidung, insektizidbehandelte Bettnetze, Verdampfer, Räucherspiralen, Kerzen, Fackeln, Armbänder und elektronische Geräte. Diese Produkte sollten nicht alle als Repellentien im engeren Sinn bezeichnet werden. Hautrepellentien verhindern vor allem Annäherung, Landung, Sondieren oder Stich auf behandelter Haut. Insektizidbehandelte Netze oder Verdampfer können dagegen zusätzlich toxisch, knock-down-wirksam oder populationsmindernd wirken. Mechanische Barrieren wirken auch ohne chemische Repellentwirkung.
Wirkweise von Repellentien
Repellentien lösen nicht zwingend eine sichtbare Fluchtreaktion aus. Entscheidend ist, ob sie Annäherung, Landung, Sondieren, Stich oder Blutaufnahme verhindern. Diese Wirkung kann über Geruchswahrnehmung auf Distanz, über Kontakt mit behandelter Haut oder über mehrere sensorische Wege gleichzeitig entstehen.
Stechmücken nutzen bei der Wirtsfindung unter anderem CO2, Hautgerüche, Wärme, Feuchte und visuelle Reize. Repellentien können diese Signale stören, maskieren oder aversiv verändern. Der genaue Mechanismus hängt von Wirkstoff, Konzentration, Formulierung, Mückenart und Testsystem ab.
DEET zeigt besonders deutlich, dass Repellentwirkung multimodal ist: Es beeinflusst olfaktorische Prozesse auf Distanz und kann nach Kontakt mit behandelter Haut über Kontaktchemorezeption eine Stichverhinderung auslösen. Bei Aedes aegypti erfolgt diese Kontaktwahrnehmung wesentlich über die Tarsen der Beine. Eine einfache Erklärung wie „Mücken mögen den Geruch nicht” oder „Repellentien wirken nur bei Kontakt” ist daher zu stark vereinfacht.


